Zum letzten Mal leite ich heute eine Sitzung des Gemeinderates. und zwar nicht einmal für die ganze Sitzungsdauer. Kurz vor sechs Uhr erkläre ich meine Nachfolgerin, Fiammetta Jahreiss-Montagnani, mit dem sensationellen Resultat von 109 Stimmen für gewählt, wünsche ihr viel Glück und räume meinen Platz auf dem Bock.
Zuvor hat Stadtpräsident Elmar Ledergerber meine Amtstätigkeit mit vielen freundlichen Worten gewürdigt und mir nebst dem üblichen Stadtsiegel für abtretende Ratspräsidenten zwei VIP-Tickets für die Euro 08 geschenkt. Glück muss der Mensch haben!
Von meinen Kolleginnen und Kollegen im Rat habe ich mich mit den folgenden Worten verabschiedet:
Geschätzte Anwesende
Meine Damen und Herren
In einem Werk von Willhelm Busch schreibt dieser: Je älter man wird, je hastiger tritt sie einem auf die Hacken, die Zeit, die so genannte.
Auch mir kommt es so vor, dass die Jahre immer kürzer werden. Logischerweise war mein Jahr als Gemeinderatspräsident denn auch das kürzeste von allen. Anderen vor mir ging es wohl auch so: Kaum fühlt man sich sattelfest mitten auf dem Bock, ist die schöne Zeit vorbei, ist es Zeit abzugeben. Vermutlich ist das gut so, auch wenn ich ohne weiteres noch ein Jahr anhängen würde, wenn man mich fragen täte.
Doch die Zeit auf dem Bock hat auch Schattenseiten. Während Sie sich das ganze Jahr mit hochpolitischen Fragen wie etwa dem Kongresszentrum beschäftigen, war unser einschneidendes Erlebnis hier vorne die Installation einer elektronischen Auszählanlage.
Bewusst habe ich vor einem Jahr darauf verzichtet, Ziele zu setzen, was die Effizienz unserer Arbeit betrifft. Im Rückblick denke ich, wir wären wohl an ihnen gescheitert. Nebst dem ungebrochenen Elan, mit welchem wir Vorstösse produzieren, wird auch sehr ausdauernd debattiert, wobei mir dabei âEUR” im Gegensatz zu eingangs Gesagtem âEUR” die Zeit auch manchmal eher langsam zu verstreichen schien. Es wäre dem Gemeinderat zu wünschen, dass es gelingt, die überlange Traktandenliste in den Griff zu bekommen, damit auch persönliche Vorstösse wieder in vernünftiger Frist behandelt werden können. Ein Patentrezept dafür kann ich Ihnen allerdings auch keines geben.
Obwohl ich mir das fest vorgenommen hatte, ist es mir nicht gelungen, die Schaffung der eigenen Parlamentsdienste und die damit verbundenen Anpassungen der Geschäftsordnung und diverser weiterer Verordnungen und Reglemente vollständig zu Ende zu bringen. Auch als fünfter damit betrauter Ratspräsident in Folge hinterlasse ich eine Baustelle. Ich denke aber, die Arbeit ist zu über 90% getan und ich bin zuversichtlich, dass meiner Nachfolgerin ein erfolgreicher Abschluss dieses Projektes gelingen wird.
Ausserhalb des Ratsbetriebes habe ich den Gemeinderat an über hundert Anlässen vertreten dürfen. Gemäss meinen ursprünglichen Absichten habe ich dabei viele Institutionen mit sozialem Hintergrund besucht. Dass ich am CSD auf dem Helvetiaplatz vor mehr als 2000 Menschen sprechen durfte, war für mich dabei ein ganz besonderes Erlebnis. Ich habe kaum eine Einladung ausgeschlagen, wenn meine Agenda es zuliess. Nur auf den Besuch der Auto Zürich habe ich verzichtet, das mögen Sie einem Grünen verzeihen, und vom Hammelessen der Schützengesellschaft habe ich mich als “eingefleischter” Vegetarier höflich entschuldigt. Und ans Sechseläuten werden offenbar auch grüne Ratspräsidenten (wie die linken) nicht eingeladen. Als Nicht-Zünfter kann ich nur ahnen, was ich da alles verpasst habe. Und âEUR” dies ganz am Rande âEUR” mein Gewicht habe ich halten können.
Was mir als letztes zu tun bleibt, ist zu danken: Ich danke dem Stadtpräsidenten und den Mitgliedern des Stadtrates für die gute Zusammenarbeit im vergangenen Jahr. Dem Ratsbüro und insbesondere der Vizepräsidentin und dem 2. Vizepräsidenten danke ich für die tatkräftige Unterstützung bei der Führung der Ratsgeschäfte. Den Mitarbeitenden der Parlamentsdienste unter der Leitung von Herrn Daniel Reuter danke ich für die professionelle und freundliche Betreuung, die wir von Ihnen erhalten. Den Weibeln und dem Hausdienst des Rathauses danke ich für ihre zahlreichen Einsätze, zuweilen bis tief in die Nacht.
Und zuletzt danke ich Ihnen, geschätzte Kolleginnen und Kollegen, dass Sie mir Ihr Vertrauen entgegengebracht haben und dass Sie mir dieses Jahr als Ihr Präsident ermöglicht haben. Vielen Dank!
Was passiert jetzt mit diesem schönen Blog?
Das ist für Nichtzürcher so eine tolle Art, den Kontakt zu halten. Mir täte er fehlen, solltest du den aufgeben.
das werden wir mit christoph in den nächsten wochen anschauen. irgend eine art von recycling werden wir sicher machen. als grüne sowieso…
herzlicher gruss moritz